Archiv für Juni 2012

Einladung AVV Juni

Einladung AVV Juni

Abschrift der Mitschrift vom 15. Juni

Themen:
1. Schanzenfest
2. Nachbereitung 2.6.
3. Rückblick – Ausblick – Aktuelles
4. Planung der nächsten AVV

1. Schanzenfest

Es gab einen Input zur Festvorbereitung, der die Idee, das Fest in diesem Jahr unter das inhaltliche Motto der Solidarität mit den Protesten, Streiks und Aufständen in Griechenland zu stellen, vermittelte:
Zunächst einmal geht es dabei darum, ein Zeichen gegen die Medienhetze zu setzen und zu zeigen, dass der Widerstand in Griechenland sowohl legitim ist, als auch etwas mit der Situation hier zu tun hat. Mit dieser Idee soll zugleich den Kommerzialisierungstendenzen, die in den letzten Jahren während des Festes zu beobachten waren, entgegengewirkt werden.
Während des Festes soll eine Talkshow/Podiumsdiskussion den Griechenlandschwerpunkt inhaltlich füllen. Angedachte Themen: Entschädigung, Situation von Flüchtlingen in Griechenland, Militarismus. Es werden zudem noch weitere Projektideen gesucht, wie Solidarität auf dem Fest zum Ausdruck gebracht werden kann.
Es wurden 3 Thesen zur Diskussion gestellt:
1. Die Situation in Griechenland ist ein Modellprojekt für die kapitalistische Modernisierung und hat als Drohkulisse europaweit Bedeutung für deren Durchsetzung.
2. Solidaritätsansätze hier sind meist beschränkt auf einzelne Aktivit_innengruppen in Griechenland (Streikende, Anarchist_innen). Übersehen wird dabei die extrem prekäre Situation der Flüchtlinge dort. Hier lässt sich auch ein klarer Bezug zu Deutschland festmachen.
3. Der politisch interessierte Blick von hier nach Griechenland konzentriert sich meist auf die Riots. Aber: Die Stärke der Bewegung dort drückt sich gerade auch in den verschiedenen Basisorganisierungsansätzen aus, die viel mehr dazu beitragen, Nachhaltigkeit von Bewegung herzustellen. Solche Formen der Selbstorganisierung sollten unterstützt werden, in ihnen kann sich aus der Krise eine Chance ergeben.

In der Diskussion gab es eher positive Rückmeldungen zum Konzept, die sich grob wie folgt zusammenfassen lassen:
Es ist prinzipiell wünschenswert, das Fest durch eine stärkere inhaltliche Bestimmung zu repolitisieren. Politstände waren in den letzten Jahren oft eher marginalisiert
Die konkrete Idee ist gut, da das Fest ein Forum bietet, dem Thema Griechenland mehr Gewicht zu verleihen.
Zudem wurde noch angerissen, dass ein Vermittlungsproblem dadurch entstehen könnte, dass für viele die erste Assoziation zu „Bewegung in Griechenland“ die der Riots ist.

Nachbereitung 2.6.
Die Diskussion hatte einen Schwerpunkt auf der Nachbereitung des autonomen Konzeptes, das mit der Kundgebung in der Wagnerstraße umgesetzt werden sollte. Hier gab es reichlich kritische Anmerkungen, die sich vor allem auf zwei Punkte bezogen:
1. Zentraler Treffpunkt: Eine Kundgebung, bzw. überhaupt ein zentraler Treffpunkt, zu dem öffentlich mobilisiert wird, ist keine geeignete Form, konkret wurden dadurch viele Leute blockiert, die andernorts gebraucht worden wären. Der zugewiesene Kundgebungsort war aussichtlos.
2. Konzept: Ein „Fingerkonzept“ rechnet damit, dass nicht alle „durchkommen“ und spielt damit, sich als „nicht schlimm“ darzustellen, deshalb ist es für einen autonomen Ansatz wenig geeignet. Dass ein offensiverer „Finger“ Erfolg haben könnte, war eine Selbstüberschätzung; es wurde viel zu starr am Konzept festgehalten und das Fehlen eines Plan B erwies sich als fatal. Als zusätzliches Problem wurde bei der Mobilisierung für dieses Konzept zu wenig klar vermittelt, was tatsächlich geplant war, viele wussten nicht genau, was sie erwartete. Zugleich förderte die Konzeptvermittlung eine Konsumhaltung.
An diese Kritiken anschließend war ein Diskussionsschwerpunkt die Frage, ob es tatsächlich notwendig und/oder sinnvoll ist, für ein offenes autonomes Aktionsangebot zu mobilisieren, oder ob nicht ein dezentrales Kleingruppenkonzept für Antifa-Anlässe das Mittel der Wahl ist. Erwartungsgemäß gab es plausible Argumente für und gegen beide Positionen. Es wurde angemerkt, dass – egal bei welchem Aktionsansatz – es nicht reicht, irgendwohin zu mobilisieren, sondern es Strukturen geben muss, die einen Anfang machen.
Als positiv wurde im Zusammenhang mit der Situation in der Wagnerstraße hervorgehoben, dass im Kessel die Kommunikation untereinander und die Vermittlung der Lage an die Eingekesselten sehr gut geklappt hat und die zunächst angespannte Stimmung durch die organisierteren Strukturen gut aufgefangen wurde.

Jenseits dieser Diskussion wurde auch über die Ereignisse am 2.6. insgesamt gesprochen, wenn auch weniger systematisch. Deshalb hier nur einige Stichpunkte:
Die Informationsmöglichkeiten am 2.6. waren ausreichend und gut.
Insgesamt war um die Naziroute herum einiges möglich und auch viele – auch autonome – Kleingruppen unterwegs
Dass die Demo des HbgR nicht aus der Innenstadt weg und nach Wandsbek/Eilbek verlegt wurde, war sehr ärgerlich, da es einerseits zur Spaltung in „guten Protest“ (Innenstadt) und „bösen“ (Wandsbek) beitrug und andererseits mehr Menschen in der Nähe der Nazis auch bessere Möglichkeiten für alle bedeutet hätten.
Die Abreise der auswärtigen Antifaschist_innen müsste zukünftig bei den Planungen genauer mitbedacht werden.
Medien zum 2.6.: Die Einkesselung wurde nicht thematisiert. Es fand eine Spaltung statt: Abfeiern des Rathausmarktes – Diffamierung der Proteste „vor Ort“, bzw. auch deren Differenzierung in „gut und böse“.

3. Rückblick – Ausblick – Aktuelles

Vom 14.-18. Oktober findet in Hamburg ein internationaler Kongress zu psychiatrischer Genetik statt. Die Psychiatrische Genetik zielt, wie der Name sagt, darauf ab, psychische Krankheiten genetisch zu erklären und daraus praktische Konsequenzen zu ziehen.
Die AVV hatte Gäste vom Arbeitskreis Psychiatrierfahrener, die gerne auf dieses Ereignis hinweisen und für Protest dagegen werben wollten, da es bisher noch keine Planungen gibt. Dass es dafür allen Grund gibt, wurde durch einen kleinen Input verdeutlicht, in dem auch der historisch spezielle Hintergrund („Euthanasie“ im Nationalsozialismus) angesprochen wurde, der die Durchführung einer solchen – überall radikal zu kritisierenden Veranstaltung – in einer deutschen Großstadt besonders zynisch sein lässt.
Der Beitrag wurde mit Interesse aufgenommen, konkrete Vorschläge aber (noch?) nicht formuliert. Es gibt – sollte Interesse bestehen – auf jeden Fall die Möglichkeit, kompetente Referent_innen für eine Veranstaltung zum Thema einzuladen.

Das Institut für vergleichende Irrelevanz in Frankfurt/Main ist akut von Räumung bedroht, da die vormalige Besitzerin, die Universität, das Gebäude verkauft hat und die neuen Besitzer schon angefangen haben, die Räume unnutzbar zu machen. In Berlin gab es bereits eine Soliaktion, in Hamburg wird noch nach Gruppen gesucht, die Ideen zur Solidarität entwickeln.

Im August ist der 20. Jahrestag des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen. Am 25.8. findet deshalb dort eine Demo statt. Zur Mobilisierung wird am 12.8. im 3001-Kino der Film „The Truth lies in Rostock“ gezeigt.

[Nächstes Jahr soll es eine Elbblockade mit dem Aufhänger „Moorburgtrasse“ geben, die thematisch aber durchaus weiter gefüllt werden kann – z.B. Atomtransporte über den Hamburger Hafen. Die Vorbereitungen beginnen derzeit]

4. Planung der nächsten AVV
Nach einem doch eher diskussionsfreudigen und angeregten Abend, verebbte die Beteiligung gegen Ende, als die Frage im Raum stand, welche Personen oder Gruppe denn gerne die Vorbereitung und Moderation der AVV im Juli übernehmen möchte. Doch zumindest die Einigung auf ein Thema verlief etwas reibungsloser. Deshalb wird es im Juli eine AVV mit dem Schwerpunkt „Die Camps dieses Sommers“ geben. Vorgestellt werden das Antifa-Camp in Dortmund und das antimilitaristische Camp in der Altmark.
15.7.2012 19:30 Rote Flora: Autonome Vollversammlung zum Thema „autonom Campen“