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Nachbereitung Autonomen VollVersammlung vom 15.03.2012

Bei der Auswertung der AVV und im Gespräch mit einigen Teilnehmer_innen sind uns ein paar Dinge aufgefallen, die wir -auch im Hinblick auf künftige AVVs- für interessant und diskussionswürdig halten. Darum haben wir uns entschieden einen Text zur Nachbereitung zu veröffentlichen.

Konkret zur MärzAVV
Im Februar wurde kritisiert, dass auf der AVV immer nur Aktionen durchgekaut werden und kaum inhaltliche Diskussionen stattfinden. Auf diese Kritik wollten wir eingehen und eine stärker inhatlich orientierte AVV organisieren.
Unsere Absicht war, im ersten Teil des Abends einen Überblick über die Ereignisse in der radikalen griechischen Linken seit 2008 zu geben. Darum haben wir eine Genossin, die 2008 noch in Griechenland lebte eingeladen. Da wir den Teilnehmenden die Möglichkeit zur Interaktion bieten wollten, hatten wir uns für einen fragengeleiteten Input entschieden. Anstatt eines „frontal Vortrags“ sollte eine Gesprächsatmosphäre entstehen, und Langeweile eben dadurch vorgebeugt werden, dass jede/jeder die Fragen stellen kann die ihn/sie interessieren.
Im zweiten Teil hätten wir uns gewünscht, auf Basis des Inputs in einer großen bzw. mehreren Kleingruppen zu diskutieren, ob und wie wir in Solidarität mit den griechischen Kämpfenden intervenieren könnten. Abschließend sollte noch Zeit bleiben, um etwas konkretes vorzubereiten. So viel zu unseren Plänen.
Der Ablauf änderte sich dann schon vor Beginn der AVV, da zufällig zwei weitere griechische Genoss_Innen zu uns stießen, die die von uns eingeladene Gefährtin bei der Aufarbeitung der Ereignisse und Beantwortung der Fragen unterstützten. Deren Mitwirkung hat sicherlich dazu beigetragen, die Situation in Griechenland noch besser fassen zu können. Darüber hinnaus wurden so verschiedene Einschätzungen zu den Ereignissen deutlich. Allerdings kostete das Übersetzen einiges an Zeit .
Abgesehen von dieser spontanen Änderung nahm das Fragen stellen und beantworten mehr Zeit in Anspruch als gedacht.
An dem Abend hat sich gezeigt, dass der Zeitrahmen nicht ausreichend für unsere Pläne war. Dies mag an dem allgemein gehaltenen Thema liegen und daran, dass es nicht oft die Möglichkeit gibt, sich mit Genoss_Innen aus Griechenland direkt auszutauschen.
Einen wichtigen Grund sehen wir aber vor allem darin, dass wir, ungeübt in Moderation, unseren zuvor erarbeiteten Zeitplan nicht gegen den Wunsch der Teilnehmenden, noch weiter Fragen zu stellen, durchsetzen konnten.
Für einige aus der Vorbereitungsgruppe ist Paritzipation seitens des Plenums ein wichtiges Element einer solchen Veranstaltung und hatten folglich auch keine Lust „strikt“ zu moderieren.
Hinzu kommt, dass das Thema und der Input vielleicht nicht kontrovers genug waren, um Lust auf eine Diskussion zu machen. Hier hätte es helfen können, streitbare Thesen in das Plenum zu geben.
Eine tiefergehende Diskussion fand auf jeden Fall nicht statt und der Abend war eher eine reine Informationsveranstaltung. Wir finden es aber nach wie vor wichtig, dass die AVV nicht nur ein Angebot für Information und Vernetzung bietet, sondern dass wir weiter darauf hinarbeiten, dort auch inhaltliche Diskussionen führen zu können.

Allgemeines zur Autonomen VollVersammlung
Das Spannungsfeld zwischen Einbeziehung der Teilnehmer_Innen und einer straffen, zielgerichteten Organisation der Versammlung wird uns dabei auch in Zukunft beschäftigen. Vergrößert wird dieses Spannungsfeld durch den offenen Charakter der AVV – es kommen viele Menschen mit unterschiedlichen Ansprüchen. Manche die es als niedrigschwelliges Angebot nutzen wollen, um sich zu vernetzen und Kontakte zu knüpfen, andere um sich/ihre Gruppe auf dem laufenden zu halten, wieder andere um eine Aktion vorzustellen, und ganz andere um inhaltlich zu diskutieren. Je nach Moderation/ Art der AVV werden verschiedene von ihnen enttäuscht werden.
So kann es sein, dass die Mehrheit der Anwesenden eher darauf eingestellt ist passiv Infos zu konsumieren und keine Lust darauf hat aktiv mitzudiskutieren. Gerade NeueinsteigerInnen können sich schnell überfordert fühlen, wenn verlangt wird sich einzubringen.
Da könnte es helfen wenn vor einer AVV klarer kommuniziert wird in welche Richtung die Veranstaltung geht. Von Vortrag und Diskussion, über Workshops bis hin zu Kleingruppen ist vieles denkbar. Zu Beginn könnte auch der Zeitplan klar strukturiert vorgestellt werden.
Wir haben uns auch gefragt, warum es eine solche Zurückhaltung gibt, die Moderation/Vorbereitung der AVV zu übernehmen. Unsere Vermutungen sind, dass das generelle Klima der Versammlung, Angst vor Kritik, mangelndes Selbstbewußtsein, oder die Selbsteinschätzung als nicht kompetent genug, dazu beitragen.
Hier können ein Moderationsworkshop oder ein „Wie mache(n) ich/wir ne AVV“-Papier weiterhelfen. Generell scheint es aber für Einzelpersonen problematisch die Vorbereitung/Moderation zu übernehmen, an dem Punkt könnten organisierte Gruppen unterstützen.

Aufruf zur Diskussion
Da keine feste Grupppe die AVV organisiert werden Diskussionen oft mehrfach geführt. So kommt es auch, dass die Diskussion um/über die AVV an sich periodisch wieder auftaucht und dann in Vergessenheit gerät. Dabei ist in manchen Punkten Kontinuität von Vorteil, da ansonsten alte Argumente/Probleme neu endeckt werden müssen. Seit Beginn der AVV gibt es unterschiedliche Meinungen, was genau mit ihr erreicht werden und wie die Organisation aussehen soll. Bei nur einem monatlichen Treffen ist es schwer anknüpfende Diskussionen zu führen, wobei klar ist, dass nicht jede AVV sich selbst als Thema haben kann.
Darum wollen wir versuchen eine schriftliche Diskussion anzustoßen, die natürlich bei Interesse auch auf die AVV selbst getragen werden kann.
Fürs erste freuen wir uns über Rückmeldung an: avv_diskussion@riseup.net oder an die Zeck!

AVVmärz-vorbereitungs-crew

avv am 15.4.2012

Bei der Vollversammlung am 15.4. gab es zwei Themen: Den Naziaufmarsch am 2.6. in Hamburg und das Papier der Roten Flora zum Übergriff von „Antiimps“ gegenüber einem „Antideutschen“ am 24.12.2011 (Zuschreibungen sollen hier nur den Ausgang des Konfliktes beleuchten und geben nicht unbedingt die Positionen der beteiligten Personen wieder).

2.6.:
Die nazis mobilisieren nach Hamburg zum „Tag der deutschen Zukunft“. Die Mobilisierung der Gegenaktivitäten läuft. Es existieren zwei Vorbereitungskreise. Einmal das Hamburger Bündnis gegen Rechts (HBgR) und zum anderen ein Treffen um die Autonome Antifa.
Das HBgR plant Blockaden der Naziroute.
Die Antifa ruft zu dezentralen Aktionen auf, näheres im Internet (notddz2012.blogsport.eu)
Am 31.5. wird es ein Mobilisierungs-Konzert in der Flora feben, letzte Infos am 1.6.19h in der Flora

Übergriff:
Die Diskussion wurde allgemein als sehr konstruktiv empfunden. Hier nur ein paar Stichworte, den ganzen Verlauf zu schildern würde den Rahmen sprengen.
Es wurde weniger am konkreten Fall diskutiert als vielmehr allgemein über den lange schwelenden Konflikt „Antiimps“ vs. „Antideutsche“.
Konsens war, dass Gewaltanwendung innerhalb der linksradikalen Szene in keiner Weise akzeptiert werden darf. Opfer solcher Gewalt verdienen unbedingte Solidarität. Daran hat es in der Vergangenheit vielfach gefehlt, so fühlte sich der Betroffene vom 24.12. im Stich gelassen.
Ebenso wurde in der Diskussion abgelehnt, zur Lösung innerlinker Konflikte die Polizei zu Hilfe zu rufen. Zugleich wurde dies in der Diskussion aber eingeschränkt, am 24.12. wusste der Betroffene sich nicht anders zu helfen, und so wurde in der Diskussion festgestellt, wenn sich mensch nicht anders zu helfen weiß bedeutet das ein Versagen der Szene, die den Betroffenen die nötige Unterstützung versagt.
Diese Unterstützung zu leisten ist Aufgabe der Szene, und dadurch wird dann ein Rückgriff auf die Bullen überflüssig. „Kritische Solidarität“ wurde eingefordert.
Dazu gab es eine Gegenthese: Solidarität bedingt Auseinandersetzung mit politischen Positionen. Beide Seiten des Konfliktes, sowohl die „Antideutschen“ als auch Teile der „Antiimps“ hätten sich aber soweit vom restlichen linksradikalen Spektrum entfernt, dass keine gemeinsame politische Basis mehr besteht, und somit eine politische Solidarität nicht möglich ist.
Daraufhin schloss sich eine Diskussion an, wie die eigene politische Szene zu definieren sei.

Desweiteren wurde diskutiert, was eine Ächtung innerlinker Gewaltanwendung für mögliche Bündnisarbeit, z.B. zum Naziaufmarsch am 2.6., bedeutet. Soll man mit Gruppen, die Übergriffige nicht ausschliessen, nicht zusammenarbeiten? Hier wurde keine Antwort gefunden (anders als im Florapapier…)

Themen am 15.5. 19.30h in der Flora:
Geplante Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am 2.6.

Protokoll AVV März

Themen
1.Moderation nächste VV
2.Schwerpunkt Griechenland
3.Ankündigungen
35 Personen anwesend

Orga
Keine_R will nächste VV zum Thema Bündnispolitik im Hinblick auf 2.6. (Tag der dt. Zukunft) vorbereiten. Soll noch mal am Ende der VV besprochen werden.

Griechenland
Drei Genoss_innen aus Griechenland berichten von ihren Erfahrungen und beantworten Fragen:
Ausgangspunkt des Berichtes waren die Auseinandersetzungen 2008 (Ermordung von Alexandros) als einschneidendes Erlebnis für die anarchistische/antiautoritäre Bewegung . Detailliert wurden die verschiedenen Aktionen beschrieben (Riots, Nachbarschaftstreffs, Haus/Platzbesetzungen usw.).
Es wurde betont, dass diesese Ereignisse nicht nur für Amarchist_Innen bedeutend waren sondern auch für „normale“ Bürger_Innen.
So verlassen sich Bürger_Innen größtenteils nicht mehr auf staatl. Institutionen und Parteien sondern organisieren sich z.T. in Stadtteilversammlungen. Da dort die Entscheidungsfindung im Konsens ist stattfindet sind die Sitzung oft mühsam und ohne Ergebnis aber es ein Lernprozess der Zeit und Unterstützung benötigt. Bisheriger Output der Versammlungen ist Boykott der neuen Häusersteuer, Initiative gegen Autobahnmaut und ein neues System zur Lebensmittelverteilung.
Meinung der Leute aus Griechenland war, dass der Aufstand von den Bürgern ausgeht und die anarchistische Szene dabei eine unterstützende Rolle spielen wird.
Betont wurde noch einmal die Zunahme der Repression. Es gibt zahlreiche politische Gefangene die sich nicht als unschuldig darstellen, sondern sich öffentlich positiv auf ihre Aktionen und den dahinter stehenden Idealen beziehen. Laut den Genoss_Innen wird es durch die politische Prozessführung transparententer, daß es eine Systemfrage gibt.
Danach ging es um das Bild in Griechenland von Europa und Deutschland, sowie die Sicht der anarchistischen Berwegung in Griechenland auf die linke Szene in Deutschland.
Allgemein ist die Sicht auf D und €ur sehr neagtiv, wo wird Griechenland wird als Wächter der Festung Europa betrachtet (2 Millionen illegalisierte „leben“ in Griechenland). Oft wird auch gesehen, dass der Wohlstand in Deutschland der schlechten Lage in Griechenland aufbaut. In der radikalen Linken wird allerdings nicht Deutschland, sondern Kapitalismus insgesamt als Problem betrachtet. Den Genoss_innen ist aufgefallen, dass dieFeindbilder in Griechenland klarer sind und klassenkämpferisches Bewußtsein in der linken Szene Ds kaum vorhanden ist. Stattdessen gibt’s in Deutschland eine Fokussierung auf Teilbereichskämpfe und die krasse Repression lähmt die Bewegung.
Abschließend wurde die Frage diskutiert wie Solidarität aussehen könnte. Es wurden direkte Aktionen gegen deutsche Firmen die in Griechenland negativ auffallen, Solidaritätsaktionen für von Repression Betroffene, sowie die Verbreitung von Gegeninfos vorgeschlagen.
Allgemein wiesen die Genoss_Innen aus Griechenland aber darauf hin, dass die Szene in Deutschland selbst weiß wo der der Staat verwundbar ist und ihr Potential einschätzen kann. Auch für sich selber kämpfen kann Solidarität sein.
Ankündigungen
-Vorabenddemo zum 2.6. geplant
-Flughafenaktionstag am 30.3. gegen innereuropäische Abschiebungen in verschiedenen Städten, in Hamburg um 18 uhr Terminal 1
-M31 Internationaler Aktionstag gegen Kapitalismus – Großdemo in Frankfurt/Main
Nächste VV will immer noch niemensch vorbereiten, d.h. nächstes mal Freestyle außer es findet sich noch wer bis zum 15.4. Vorschläge für nächstes Mal: Flora Papier „ Für einen solidarischen und respektvollen Umgang in linken Strukturen!“ als Diskussionsgrundlage, M31 Nachbereitung und Stand der Vorbereitungen zum 2.6.

Protokoll AVV März + AVV April

Hier gibts das Protokoll der „Griechenland-AVV“ im März.
Und nochmal der Hinweis, dass auf der AVV keine Moderation für die AVV im April festgelegt wurde. Es ist angedacht worden über Bündnispolitik im Hinblick auf den „Tag der deutschen Zukunft“ zu reden, als Grundlage soll das Flora Papier Für einen solidarischen und respektvollen Umgang in linken Strukturen! dienen.

AVV im APRIL

Themen am 15. April, 19:30 Uhr:

1) Austausch über Mobilisierungen gegen den „Tag der deutschen Zukunft“ am 2. Juni: Was gibt es an Planungen, Terminen, Bündnissen. Informiert euch und bringt eure Infos ein!

2) Diskussion über das Flora-Papier „Für einen solidarischen und respektvollen Umgang in linken Strukturen!“ Beim letzten Plenum hatten wir überlegt, das das Papier trotz viel Kritik als Grundlage für eine weiterführende Diskussion dienen kann.